Zukunftsträume
- Wohin steuert die Kirche? -





Zukunftsträume




Träume – nichts als Träume?
Ich lasse der Phantasie freien Lauf.
Dies ist kein Buch, nur ein Gedankenspiel
Die Zukunft der Kirche ist das Thema, welches sich meine
Landeskirche für 2012 vorgenommen hat.
Wer von einer anderen Zukunft träumt, muss sich der Gegenwart
stellen und fragen, was denn anders werden soll?
Auch sollte ein Blick in die Vergangenheit nicht gescheut werden.
Was war denn damals anders, oder besser?
Ich versuche mich zu erinnern: Also die Gesellschaft war etwas
anders gepolt, die ersten Jahre nach dem Kriege, da war noch
nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft ein Merkmal.
Fernsehen und Computer waren noch nicht bekannt. Telefon war
noch Luxus. Wir haben abends zu Hause „Mensch ärgere dich nicht“
gespielt, oder Mau Mau.
Wie das mit der Kirche war, ehrlich, ich weiß es nicht mehr.
Jedenfalls der Pastor hatte einen anderen Status als heute.
Mein Konfirmandenunterricht war nicht so locker wie es heute
gehandhabt wird.
Aber die Gemeinden waren gut versorgt, jede hatte früher einen
Pastor, einen Diakon, eine Gemeindeschwester, einen Küster
und einen Organisten, welcher oft noch Lehrer war.
Arzt, Lehrer und Pastor waren Persönlichkeiten.
Ein Professor war immerhin schon im Pensionsalter, heute
gibt es so viele junge Professoren, sie gehören schon fast nicht
mehr zu Elite. Alltäglichkeit.
Die Polizei, ein Kommissar, oh, der war was. Heute sehe ich fast
nur noch Kommissare.
Das nur mal so vorweg.
Aber die Polizei, die hat es mir angetan, nicht nur, weil mein
Vater auch Polizeibeamter war, sondern weil ich hier immer
Parallelen zur Kirche sehe.
Zu meiner Kindheit ging der Schutzmann durch die Straßen
auf Streife, man kannte ihn. Oft stand er auf der Kreuzung und
regelte den Verkehr, später haben dann die Ampeln diese
Aufgabe übernommen.
Irgendwann wurde die Polizei immer mehr motorisiert und so
verschwanden die guten alten Schutzmänner langsam aus dem
Straßenbild. Damit waren auch die Kontakte zum „Freund und
Helfer“ unterbrochen.
Irgendwann hat man wohl gemerkt, dass die fehlende Bürgernähe
sich doch irgendwie negativ auswirkte.
Dann kam die Idee von den „Kontaktbeamten“, sie sollten wieder
Bürgernähe signalisieren.
Doch auch dieses Modell scheint sich „totgelaufen“ zu haben.
In meiner Stadt sehe ich fast nie einen Polizisten. Nur wenn sie das
Martinshorn eingeschaltet haben und mit Tatütata zu hören sind,
dann nehme ich sie wahr.
Kürzlich hat irgendwer bei mir ein Fahrrad abgestellt, stand drei Tage
an meiner Hauswand. Dann habe ich die Polizei angerufen. Nach
einer halben Stunde kamen zwei Kommissare mit dem Auto, ein
Mann und eine Frau, zwei liebenswerte nette Menschen.
Das Fahrrad hat dann später der Bauhof abgeholt.
Ja, nun habe ich so ein wenig erzählt.
Den Menschen heute scheint auch der „Faden“ gerissen zu sein,
sie haben keinen“ Draht“ mehr zur Kirche. Sie nehmen die
Kirche teils auch nur noch war, wenn die Glocken läuten.
Ihre Kontaktleute, die Pastorinnen und Pastoren, werden immer
weniger.
Und wen wundert es da, wenn unsere Kirchen am Sonntag
leer bleiben? Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus.
Eine bedrohliche Entwicklung, die die Kirche längst erkannt hat,
aber zu spät, hoffentlich nicht zu spät, versucht, wieder unter
Kontrolle zu bekommen.
Als Gemeindeglied frage ich mich natürlich, warum ich noch in
der Kirche bin, wenn wir nicht mal einen Pastor oder eine
Pastorin haben?
Nun, ich bin nicht nur Gemeindeglied, sondern auch Kirchenältester
und Synodaler. Aus meiner Erfahrung und meinem Wissen, kann
ich einige Fragen sicher anders beantworten als ein „normales“
Gemeindeglied.
Da ist zunächst einfach festzustellen, uns fehlen einfach
Pastorinnen und Pastoren und Nachwuchs sind kaum in Sicht.
Allerdings behaupte ich, dass meine Landeskirche hier auch eine
Entwicklung „verschlafen“ hat.
Das Problem fehlender Geistlichkeit hätte man früher angehen
müssen.
Nun hofft man, durch Bundesweite Ausschreibungen leerer
Pfarrstellen noch Linderung zu bekommen.
Ein weiteres muss ich den Gemeindegliedern immer wieder sagen,
ist die finanzielle Situation. Wenn immer mehr Menschen die
Kirche verlassen, sinken auch drastisch die Kirchensteuereinnahmen.
Wer soll denn die Geistlichkeit bezahlen, wenn es nicht die
Gemeindeglieder mit ihren Kirchensteuern tun?
Wir müssen, auch wenn es hart ist, der Tatsache Rechnung tragen,
das eben nicht mehr jedes Dorf einen eigenen Pastor hat.
Und ich halte es auch für eine Ungerechtigkeit, wenn ein Pfarrer
in einem 500 Seelen Nest dasselbe Gehalt bekommt, wie ein
Pfarrer in der Stadt mit 2500 Gemeindegliedern.
Hier müssen wir uns von utopischen Träumen trennen.
Und was für die Geistlichkeit gilt, gilt schon lange auch für andere
kirchliche Mitarbeiter, wie Diakone, Gemeindeschwestern, Küstern
Organisten und so weiter.
Es ist nicht mehr alles bezahlbar, wie es mal war.
Wir müssen Abschied nehmen von alten Gewohnheiten, wir
waren halt lange ein wenig verwöhnt.
Kooperationen heißt der neue Slogan. Gemeinden sollen sich
zusammenschließen, ein Pfarrer oder eine Pfarrerin soll mehrere
Gemeinden versorgen.
Und viele Lasten hofft man an Ehrenamtliche übertragen zu können.
Das ganze mag ja dem Urkirchen Typus näher kommen, hat aber
auch einen bitteren Beigeschmack.
Momentan ist dieses Lösungsmodell Flickschusterei.
Unstrittig ist doch, mir geht es jedenfalls so, dass ich mich in
meiner Gemeinde mit meinem Pfarrer oder Pfarrerin identifiziere.
Ich bin seit 30 Jahren bei meinem Hausarzt und eben so lange
bei meinem Zahnarzt und Anwalt. Mit den Jahren hat sich hier
ein bestimmtes Vertrauensverhältnis herauskristallisiert.
Was waren das für schöne Zeiten, die offenen Pfarrhäuser!
Ich denke wirklich sehnsüchtig und traurig an diese schöne Zeit
zurück.
Alles hat sich jetzt mehr auf die Emails, das Telefon und den
Anrufbeantworter verlagert.
Ich das den Geistlichen nicht an, sie haben einfach keine
Zeit.
Die Damen im Kirchenbüro hatten immer Zeit für ein kleines
Schwätzchen. Doch die tiefgreifenden Stundenkürzungen haben
auch hier unglückselige Verhältnisse eingefahren.
Und wenn jetzt auch noch die Kirchenbüros zusammengestrichen
werden und immer mehr regionalisiert werden, Amen.
Ich frage mich, wo das noch alles hinführen soll? Was ist das für
eine Kirche der Zukunft, die keine ausreichende pastorale
Versorgung mehr gewährleisten kann, wo die Mitarbeiter keine
Zeit mehr für die Gemeindeglieder haben.
Kinder, welchen Zeiten gehen wir entgegen?
Das sich was verändern muss, das nicht alles beim Alten
bleiben kann, ist mir klar.
Es kommt mir vor, als befinde ich mich auf einem sinkenden
Schiff. Aber nein, diese Kirche, die Kirche Gottes, wird nicht und
kann nicht untergehen. Es ist ja nicht unsere Kirche, sondern die
Kirche des Herrn.
Er hat diese Kirche 2000 Jahre gehalten und erhalten, er lässt sie
nicht untergehen.
Nun, da fällt mir ein, ich hatte am Ewigkeitssonntag einen
Gottesdienst in Großenmeer.
Der Pfarrer sprach auch von der Zukunft:
„Siehe, ich mache alles neu.“
Leid und Geschrei wird es in der Zukunft Gottes nicht mehr geben.
Mir hat die Predigt imponiert.
Doch nüchtern zurück in die Gegenwart.
Ich halte nur fest: Gottes Zukunft ist anders.
Aber warum machen wir uns dann so viele Sorgen?
Wehe, wir sorgten uns nicht um des Herrn Kirche. Sie ist uns
anvertraut, mit unseren uns anvertrauten Pfunden sollen wir
wuchern.
Ich halte einen Zukunftskongress für sinnvoll und erforderlich.
Trotzdem bin ich besorgt, ob nicht hinterher alles bei trockenen
Lippenbekenntnissen bleibt.
Ich habe die Befürchtung, der Zukunftskongress wird wie das
Fieber sein und nach ein paar Tagen wieder abklingen.
Man denke an die Euphorie der Kirchentage, kaum etwas, bis
auf ein paar Lieder, dringt in die Gemeinden vor.
Wie viele Klimakonferenzen, Abrüstungskonferenzen und was nicht
alles hat es schon gegeben. Vieles waren gute Absichten, es blieb
bei Lippenbekenntnissen.
Alles andere verpuffte mit der Zeit, geändert oder verändert hat
sich nichts.
Und meine Sorge ist, das man dem Volk nicht genügend aufs
Maul schaut. In den Gemeinden lebt die Kirche.
Das nicht alles nur akademisches Palaver wird, Podiumsdiskussionen
der Gelehrten.
Man denke bitte nicht, ich sei ein ausgewiesener Skeptiker, sehe
alles nur Schwarz, beileibe nicht.
Gott segne den Zukunftskongress, hoffentlich irre ich mich in
meiner Einschätzung.
Was ist der Auftrag der Kirche?
„Gehet hin in alle Welt…..“. Die Verkündigung der frohen
Botschaft, des Evangeliums, ist der erste und einzige legitime
Auftrag den die Kirche und damit jeder Gläubige hat.
Alles andere ist nach meiner Auffassung Zierrat.
Ich habe mir erlaubt, mir einige Themen zu wählen, welche ich
dem Zukunftskongress andienen möchte:



Wolfgang Müller
Fortsetzung:
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