Von einem mittelmäßigen Christen und Schriftsteller
- Auskopplung aus dem Buch "Echtzeit" -





Von einem mittelmäßigen Christen & Schriftsteller




Von einem mittelmäßigen Christen  & Schriftsteller 

 

Standarten                   

gekennzeichnete                   

klagend                   

während trauerndes Auge                   

wacht                   

und                   

Krähen                   

beharrlich rufende                   

nach Seelen hungernd                   

im Verborgenen                   

lauern                   

Grün ziert                   

eingezwängt                   

zwischen                   

kaltem Asphalt                   

und                   

den hoch geputschten Adern der Stadt                   

während die Reisenden                   

umher irren                   

in ihren Traumwelten                   

ohne seinen Geist                   



Der Himmel hängt schwer, schweigend über den Dächern der Stadt. Das Klirren von berstendem Glas und das Bellen drittklassiger Musik schallt aus dunklen Winkeln. Die Straßenlaternen brummen und die Leuchttafel auf dem gegenüberliegenden Dach der ehemaligen Wäscherei scheint ihren Zweck zu verfehlen. Einzelne Buchstaben leuchten wenig zusammenhängend auf und ab. Seid Stunden sitze ich grübelnd, gebeugt mit der Nase fast auf dem Papier, über einem meiner Vexiertexte, bzw. über dem was mal zu einem solchen werden soll!

Genervt streife ich mir hin und wieder durchs Haar, schaue hinauf in die dicke, Suppe, die Ansammlung des täglich fabrizierten Müll menschlicher Ignoranz, auch "Himmel" genannt und warte auf einen lichten Moment. Doch das nervige Blinken der Leuchttafel sucht sich einen Weg hin zu meinem Augenwinkel und hämmert sich ein in mein, eh schon geschundenes, geplagtes Hirn. Die Leuchttafel oder Schäfchenfänger, wie sie gerne bezeichnet wird, ist das Überbleibsel einer alternativen, religiösen Gemeinde. Nicht das dieser Bezirk sie nicht dringend gebraucht hätte, ganz im Gegenteil, doch das hier, extrem eng gestrickte, konservative System, mal vorsichtig ausgedrückt, ließ für derartiges keinen Raum. Nach wochenlangen Reibereien auf Bürokratenebene brannte, die von Gemeindemitgliedern liebevoll, umgebaute, ehemalige Wäscherei aus, bis auf die Leuchttafel auf dem Dach. Ein Relikt das von verloren gegangenen Werten wie Freiheit, Gemeinschaft und Respekt zeugt. Ehrlich gesagt stört sie mich nicht wirklich und was den Vexiertext angeht, diesbezüglich hatte ich von Anfang an meine Probleme. Nicht weil er nicht gut wäre, nein, denn das wird er sein, irgendwann. Allerdings fehlt mir der Zugang, der Drive sozusagen.

Vielleicht kennen sie ja dieses Gefühl! Das Gefühl dass man hat wenn man einen Freund aus vergangen Tagen, der Schulzeit vielleicht, wieder trifft und man nach einer scheinbaren Ewigkeit bei Kaffee und Zigaretten, in einem mittelmäßigen Café feststellen muss das dass einstige Band der Verbundenheit nicht mehr da ist. Schlimmer noch, man erkennt dass man diese völlig fremde Person nicht ausstehen kann und will raus, schnell weg aus diesem Gefängnis in dem sich eine Pflegschaft an zu bahnen scheint.

So ergeht es mir im groben beim Bearbeiten meines Textes. Hm, warum ich an diesem Vexus- Dingsda Text überhaupt noch arbeite? Nun, das schöne am Scheiben ist das man zu jeder Zeit gehen kann, ohne schlechtes Gewissen, ohne Verpflichtung aber auch das man immer wieder von neuem beginnen kann, auch ohne jegliche Gewissenbisse, ohne etwas Altes auflodern lassen zu müssen. Man nimmt einfach den Stift oder die Tastatur, was auch immer, zur Hand und man schreibt. Manchmal entsteht daraus etwas völlig Neues, was Greifbares, Homogenes. So wird es auch mit dem hier sein. So ist es übrigen auch mit allen anderen wesentlichen, essentiellen Dingen im Leben, vorausgesetzt sie sind echt und rein. Sie bedürfen keiner ausgiebigen Erklärung oder Gegenüberstellung, sie sind einfach da, die Dingen die unser Wesen beherbergen, uns ausmachen. Allgegenwärtig so zusagen und keiner Willkür unterstellt.

Irgendwie , so scheint es mir, ist es wohl auch mit dieser Leuchttafel, da auf dem gegenüberliegenden Dach der ausgebrannten Wäscherei, die eine Reihe guter Christen, aber in erster Linie guter Menschen, beherbergte und auf besondere Weise nährte. Das Gebäude um die Gemeinschaft herum ist nach und nach zerfallen aber ihr Geist wohnt in jedem Winkel dieser Straße, und ganz oft dort wo man ihn am wenigsten vermuten würde!

Ach so, vielleicht interessiert es sie was auf diese Leuchttafel ursprünglich stand:

 

    ABER DER GLAUBE NÄHRT UNSEREN GEIST UND

    FINDET EWIGEN FRIEDEN IN SEINER HERRLICHKEIT


Sandra Jeschke





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