Lukas und die Weihnachtsdiebe
- weihnachtliche Kurzgeschichte für Kinder -








Lukas und die Weihnachtsdiebe (2)



Weihnachtsdiebe

Den ganzen Tag lang war Lukas verstört. Seine Eltern machten sich Sorgen. Sie wunderten sich, dass ihr Sohn an diesem Tag so schweigsam war. Und noch viel mehr wunderten sie sich darüber, dass Lukas nicht zum Schlittenfahren gegangen war. Er hatte sich doch so darauf gefreut! Aber Lukas hatte jetzt ganz anderes im Kopf. Er versuchte so gut es ging, sich nichts anmerken zu lassen und verkroch sich nach dem Mittagessen erstmal in sein Zimmer. Glücklicherweise hatten seine Eltern genug mit den Weihnachtsvorbereitungen zu tun, so dass sie ihn vorläufig in Ruhe ließen. Sein Vater wollte in der Stadt noch einen schönen Weihnachtsbaum besorgen und seine Mutter war zusammen mit seiner Schwester eifrig dabei leckere Weihnachtsplätzchen zu backen. Lukas war klar, dass er etwas unternehmen musste. Doch was? Sollte er zur Polizei gehen? Er war sich sicher, dass ihm kaum jemand glauben würde, was er an diesem Tag erlebt hatte. Aber es stand schließlich so viel auf dem Spiel! Weihnachten war in Gefahr. Wenn er jetzt nichts unternehmen würde, bestand die Gefahr, dass es niemals mehr ein Weihnachtsfest geben würde. Er dachte an all die armen Kinder, die sich schon so auf das Fest freuten. Natürlich dachte er auch an sich und seine Familie und an seine Schulfreunde. Von seinem Freund Marco wusste er, dass er sich genau so einen Bob wie er ihn auch hatte, zu Weihnachten gewünscht hatte. Sie hatten sich beide schon sehr auf gemeinsame Schlittenrennen auf dem Hügel am Waldrand gefreut. Endlich konnten sie ein faires Rennen auf Augenhöhe veranstalten. Denn Marco besaß nur einen ganz normalen Schlitten aus Holz. Damit war es leicht, ihn in den Rennen zu besiegen. Manchmal hatten sie die Schlitten getauscht und siehe da, immer dann war Marco der Schnellere von beiden. Um herauszufinden, wer wirklich der bessere Fahrer von ihnen war, brauchten sie unbedingt das gleiche Ausgangsmaterial. Also hatte Marco sich zu Weihnachten genau das selbe Modell gewünscht, welches auch Lukas hatte. Gar nicht auszudenken, wenn Weihnachten dieses Jahr ausfallen würde, dachte sich Lukas. Kein Weihnachten – keine Weihnachtsgeschenke, das war klar. Und dann würde es auch keine spannenden Bobrennen auf dem Hügel geben. Doch da kam ihm ein Geistesblitz! Marco! Genau, er musste Marco in die Sache einweihen. Gemeinsam könnten sie vielleicht etwas unternehmen. Sofort fasste Lukas wieder Mut. Marco wohnte gleich in der Nachbarschaft, nur wenige Häuser entfernt. Marco war ein dreiviertel Jahr älter als er und schon in der dritten Klasse. Er hatte heute schon eine Stunde früher ausgehabt, sonst wären sie wie immer zusammen nach Hause gegangen. Ausgerechnet heute mussten beide getrennt nach Hause gehen. Aber darüber zerbrach Lukas sich jetzt nicht den Kopf. Er stand auf, zog sich seine Jacke über und sagte seiner Mutter Bescheid, dass er zu Marco gehen würde. Da Marco und er sehr oft zusammen spielten, hatte seine Mutter nichts dagegen. Nur zu spät sollte er nicht wieder nach Hause kommen. Lukas hoffte, dass Marco nicht schon zum Schlittenfahren gegangen war. Aber er hatte Glück. Als er das Haus erreichte, ging Marco gerade aus der Türe. Er hatte eine dicke Winterjacke an und eine Pudelmütze auf dem Kopf. Er wollte also gerade Schlitten fahren gehen. Als Marco Lukas kommen sah, begrüßte er ihn schon aus der Ferne. Beide waren wirklich dicke Freunde und schier unzertrennlich. Marco wunderte sich, dass Lukas seinen Schlitten nicht dabei hatte. „Wollen wir denn nicht Schlitten fahren gehen?“, fragte er ihn. „Ich würde wirklich gerne“, antwortete Lukas ihm, „aber ich muss etwas sehr wichtiges mit dir besprechen. Komm wir können trotzdem zum Hügel gehen. Auf dem Weg erzähle ich dir alles.“ Und dann berichtete Lukas seinem Freund, was er heute in der Schule erlebt hatte. Er erzählte ihm, wie er in den Keller gehen musste und dort zufällig das Gespräch zweier Männer mitverfolgen konnte, die Weihnachten einfangen wollten, so dass es nie wieder stattfinden würde. Beim Zuhören wurde Marco immer bleicher im Gesicht. Und am Schluss stand er nur noch mit offenem Munde da. Er war nicht imstande, auch nur einen Schritt weiterzugehen. Inzwischen waren sie auch fast am Hügel angekommen. Von weitem hörten sie schon das vergnügliche Johlen der Kinder, die bereits da waren und Schlitten fuhren.
„Komm, lass uns mal hier hin setzen“, sagte Marco sichtlich betroffen. Sie setzen sich auf eine nahe gelegene Bank.
„Und wann wollen die Kerle Weihnachten klauen?“
„In der Nacht vor Heiligabend, genau um Mitternacht.“
„Das wäre also morgen Nacht. Dann haben wir nicht mehr viel Zeit.“
Still saßen die beiden eine ganze Weile auf der Bank und dachten nach. Irgendetwas mussten sie doch unternehmen. Aber was? Beiden war klar, dass niemand ihnen diese Geschichte glauben würde. Also mussten sie die Sache selber in die Hände nehmen. Doch was sollten sie schon gegen zwei erwachsene Männer ausrichten?
Marco unterbrach als erster die Stille. „Eins steht fest, wir müssen morgen Nacht in das Schulgebäude“, sagte er voller Überzeugung. „Aber die Schule ist nachts zugeschlossen. Wie sollen wir da reinkommen?“, entgegnete Lukas. „Ich habe da eine Idee!“, antwortete Marco, „komm, lass uns schnell zur Schule gehen. Vielleicht haben wir Glück und es ist noch offen!“. Lukas schaute ihn entgeistert an. „Wir können doch nicht die ganze Zeit bis morgen Nacht in der Schule zubringen!“
„Nein, das nicht“, entgegnete Marco, „aber wir können dafür sorgen, dass wir morgen Nacht hineinkommen! An der Rückseite der Schule lassen wir ein Fenster offen stehen. Dadurch klettern wir dann morgen rein! Komm lass uns schnell aufbrechen, sonst ist es vielleicht schon zu spät.“ Marco stand schon wieder und war im Begriff loszugehen. Lukas zögerte nur einen kleinen Moment. Doch schnell erkannte er, dass das ein genialer Plan war. Schnell stand auch er auf und beide eilten zur Schule. Wenn sie Glück hatten, war sie noch offen. Nach der Schule wurde dort immer noch sauber gemacht. Es war gut möglich, dass noch Reinigungskräfte in der Schule waren uns sie so noch Einlass finden konnten. Der Schnee lag tief hier am Waldrand, sie kamen nicht sehr schnell voran. Doch schon bald erreichten sie wieder eine Straße und konnten schneller laufen. Die Schule war nur wenige Minuten entfernt. Als sie sie fast erreicht hatten, sagte Lukas plötzlich: „Nicht so schnell! Wir dürfen nicht auffallen!“. Marco sah das ein, also verlangsamten sie ihre Schritte. Betont unauffällig gingen sie die Treppe zum Schuleingang hinauf. Dann kam der spannende Augenblick. War die Türe noch offen? Marco war als erster da und wollte es herausfinden. Und tatsächlich! Die Türe ließ sich öffnen! Schnell schlüpften sie beide hinein. Innen angekommen, sahen sie sich zunächst um. Es waren in jedem Fall Reinigungskräfte im Gebäude, denn sie sahen in den Gängen einige Putzwagen stehen. Doch offenbar waren alle gerade in Klassenräumen oder Toiletten beschäftigt. Es hatte sie also niemand gesehen. Schnell begaben sie sich zum hinteren Teil des Gebäudes. Dort gab es Fenster, die ebenerdig lagen und von aussen erreichbar waren. Sie öffneten eines der Fenster und lehnten es wieder an, so dass es von innen so aussah, als wäre es verschlossen. Lukas hatte eine Idee. Er nahm einen der umher stehenden Papierkörbe und stellte ihn vor das Fenster, damit es nicht aufgehen konnte. Jetzt war alles vorbereitet und sie hatten für morgen Nacht einen Eingang. Zuversichtlich sahen sich beide an. Schnell machten sie sich wieder auf den Rückweg. Auch diesmal hatten sie Glück, es hatte sie niemand gesehen. Genauso unauffällig wie sie hereingekommen waren, verließen sie ihre Schule wieder. Sie vereinbarten, dass sie jetzt beide nach Hause gehen sollten. Heute galt es, früh schlafen zu gehen. Morgen würden sie zum Schlafen nicht so viel Gelegenheit haben. Denn morgen mussten sie Weihnachten retten. Dann machten sie noch aus, dass sie sich morgen nach dem Mittagessen wieder bei Marco treffen würden, um alles weitere zu besprechen. Schließlich machten sie sich auf den Weg. Als sie bei Marco angekommen waren, verabschiedeten sie sich feierlich voneinander. Und Lukas hatte auch nur noch wenige Schritte bis zu sich. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen. Morgen sollte ein weiterer folgen
.


Eckart Haase

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