Die freimachende Kraft des Glaubens







Die freimachende Kraft des Glaubens


Die freimachende Kraft des Glaubens – diese Aussage erscheint einem im Kontext der heutigen Zeit, in der so viele Glauben als veraltet und in seinem Kern nur als Konglomerat von Geboten und Verboten sehen, befremdlich. Heutzutage versucht der Mensch, sich weitestgehend von Gott und dem Glauben zu emanzipieren. Er will frei sein von allem, nur seiner Person, seiner Leistung, seinem Erfolg und seinem gesellschaftlichen Status verpflichtet sein. Gott hat in dieser Selbstapotheose keinen Platz mehr. Das Machbare ist der Kern der Freiheit.
Nur ist dies wirklich Freiheit des Menschen oder ist diese Art von Freisein nichts weiter als eine Verklärung einer Geißelung des Menschen ins weltliche hinein – eine Art Freiheitsfiktion?

Um diese Fragen klären zu können, müssen wir erst einmal versuchen zu skizzieren, was denn Freiheit in unseren Augen ist – wodurch sie sich kennzeichnet.

Freiheit ist in meinen Augen wesentlich durch eine weitreichende, nicht eigenzentrierte Sicht der Dinge gekennzeichnet. Denn wäre wahre Freiheit nur etwas, dass sich durch äußere Lebensumstände definiert, dann müssten wir uns alle durchaus als unfrei definieren, da eine jede Gesellschaft und ein jeder Mensch Pflichten und Rahmenbedingungen unterworfen ist, denen er zu folgen hat. Eine freiheitliche Sicht der Dinge hingegen erlaubt es dem Individuum Mensch eine Perspektive zu entwickeln, die sich von den Möglichkeiten und nicht von den auferlegten Beschränkungen geleitet sieht.
Freiheit bedarf des Akts der Entscheidung für etwas. Dieses ständige, in der heutigen Zeit so populäre Offensein für alles ist in meinen Augen lediglich eine anarchische Freiheit. Nur wenn ich mich und mein Leben auf eine getroffene Entscheidung für etwas gründe, nur dann kann ich auch freiheitlich leben. Bin ich hingegen ständig und in allen Bereichen meines Lebens konzeptions- und entscheidungslos, dann entgleitet mein Leben in eine Diktatur der äußeren Umstände, aus der keine Freiheit des Individuums erwachsen kann.
Wahre Freiheit ist in meinen Augen sehr eng verwoben mit einer Entscheidung für Gott und einer perspektivischen Ausrichtung auf ihn. Denn wenn wir uns auf eine höhere Ebene des Daseins fokussieren und auch unsere Probleme und „weltlichen Unfreiheiten“ aus dieser Perspektive lesen – ja dann beginnt für das Individuum Mensch wahre Freiheit.

Unabdingbare Voraussetzung dafür ist allerdings der Glaube. Doch was bedeutet Glaube, wie, wenn überhaupt, lässt sich dieser Begriff skizzenhaft definieren?

Glaube ist in meinen Augen das Extrakt aus Hoffnung und Vertrauen – Hoffnung auf das ewige Leben, Hoffnung auf die Erfüllung des Evangeliums, Hoffnung darauf, dass Gott diese Welt trotz ihrer Entartungen „gut“ geschaffen hat und immer noch in ihr tätig wird – Vertrauen darauf, dass Gott mich bzw. uns alle führt, uns liebt und wir in seiner väterlichen Hand auf ewig geborgen sind.

Natürlich stellt sich nun die Frage, wie aus dem Glauben an den trinitarischen Gott eine Kraft erwachsen kann, die uns zur Freiheit führt?

Zuerst einmal erwächst in meinen Augen wahrer Glaube nur aus einer bedingungslosen Nachfolge von Jesus Christus. Dies bedeutet für uns, dass unser Glaube „gelebter“ Glaube sein muss und daher auch einen sichtbaren Niederschlag in unserem Leben haben muss. Doch wie funktioniert das? Können wir uns einfach dafür entscheiden zu glauben? Diese Frage muss eindeutig verneint werden. Glaube und die aus ihm kommende Kraft kann nur von Gott geschenkt werden. Gott schenkt diesen Glauben durch seinen Heiligen Geist. Man kann in diesem Zusammenhang also behaupten, dass der Empfang des Heiligen Geistes durchaus dem Akt des „Finden“ Gottes entspricht. Doch wie findet man Gott? Voraussetzung dafür ist, dass man Gott sucht, getrieben aus der zutiefst menschlichen Sehnsucht, Halt und Zuversicht in seinem Leben zu bekommen – „ wer sucht der findet und wer anklopft, dem wird aufgetan werden“ – Gott gibt uns das Versprechen, dass unser Suchen in einem Finden enden wird – hingegen reicht dies allein nicht zur Ausbildung wahren Glaubens aus.

Grundsätzlich stellt Gott einen jeden Christen vor die Entscheidung, wie er den Glauben leben möchte. Viele Christen haben in der heutigen Zeit ihren Glauben ins Private verbannt. Man hat im Bücherregal eine Bibel (meistens eine optisch sehr ansprechende Ausgabe davon), man geht zu Weihnachten in die Kirche und meint nun damit, besonders christlich und fromm zu sein. Solche Christen können niemals zu wahren Nachfolgern Christi werden – sie sind in meinen Augen eher als Antichristen anzusehen. Ich schließe mich hier den Ausführungen von Solowjew an, der in seinem Werk „ der Antichrist“ diesen wie folgt definiert: „.. der Antichrist ist durchaus ein gläubiger Mensch, hingegen zieht er im Tiefsten seiner Seele sich selbst Gott vor“.

Christ und somit Nachfolger Christi wird man nur durch den Grundentscheid, sein Leben dieser Nachfolge zu widmen.
Dieser Grundentscheid führt dann dazu, dass Gott an uns tätig wird – uns im innersten verwandelt zu Menschen, die aus dem wirklichen Wunsch leben,  kompromisslos „ihr Kreuz auf sich zu nehmen“ und Gott zu folgen. Ein Leben, dass in der Reflektion der Nachfolge von Jesus Christus steht – ein solches Leben wird getragen von wahrer Freiheit, die durch die Widrigkeiten der diesseitigen Welt nicht zu erschüttern ist.

Doch warum ist das so?

Meiner Meinung nach ist der wahre „Felsengrund“ , auf dem der Akt der Nachfolge fußt, die Selbstaufgabe- also die Aufgabe von Selbstverherrlichung, Egoismus und Eigendogmatisierung. Diese Selbstaufgabe findet ihren Niederschlag darin, dass der Christ immer und überall dazu bereit sein muss, den Willen Gottes – also das Gute – zu tun, auch wenn man sich oder seinem Ansehen damit Schaden zufügt. Nur die Gewissheit, dass dieser „ Schaden“ in Relation zu der Größe Gottes unwesentlich ist kann ein solches Verhalten tragen. Die Handlungsmaxime des Christen ist der freimachende Wille Gottes, der kompromisslos zu verfolgen ist und der uns damit in das freimachende und kraftgebende Licht Gottes zu führen vermag.

Der Akt der Selbstaufgabe führt des weiteren dazu, dass alle Widrigkeiten und Bedrohungen dieser Welt unwesentlich zu werden scheinen, da wir im Resultat nicht mehr eingeengt und verkapselt auf uns selber schauen, sondern auf Gott, der uns freispricht, wenn wir angeklagt sind, der uns aufrichtet, wenn wir am Boden liegen und der uns eine unerschütterliche Würde gegeben hat, vor der die Anfechtungen und Verleumdungen dieser Welt in ihrer lächerlichen Kleinheit verblassen.

Der wahre Christ lebt sein Leben in der Gewissheit, dass er durch die Liebe Gottes getragen wird – und nur aus dieser Erkenntnis heraus wird der Mensch auch wirklich frei.

DEUS CARITAS EST – Gott ist Liebe – und diese Liebe ist Kraft, Macht und Trost für uns in Ewigkeit, die weder durch „Tod noch Leben, weder durch Engel noch Mächte noch Gewalten, weder durch Gegenwärtigen noch Zukünftiges, weder durch Hohes noch Tiefes oder eine andere Kreatur (Römer 8;38)“ erschüttert werden kann. Wovor sollten wir uns also fürchten, da wir ja wissen, dass jede Wunde, die uns die Welt schlägt, durch Gottes Liebe und der Gewissheit geheilt wird, dass durch Gottes Führung sich alles zum Guten wenden wird.

Wir können mit erhobenem Haupt dieser Welt entgegentreten, getragen von der Gewissheit, dass Gott in Jesus Christus der Welt die Macht genommen hat, denn „er hat die Welt überwunden“. Nichts ist stärker als Gott – und da Gott durch seinen Heiligen Geist in uns, um uns und vor uns ist können wir nicht besiegt werden oder scheitern.

„Ist Gott für uns, wer kann da wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja viel mehr, der auch auferweckt ist und der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt“ (Römer 8;31-34).





Michael Otto






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