Der Hauptmann
- Kurzgeschichte nach Matthäus 8 -





Der Hauptmann




Hauptmann Schmidt
Frei erzählt nach „Der Hauptmann von Kapernaum“
(Matthäus 8,5ff)

Es waren mal gerade vierzehn Tage her, da wurde Oberleutnant
Schmidt zum Hauptmann befördert.
Nun zierten drei silberne Sterne seine Schulter. Ein bisschen
Stolz war er schon, der neue Hauptmann, immerhin bekam er
jetzt mehr Verantwortung und Gehalt.
Auch liebte Schmidt, eigentlich Gerhard Schmidt, seinen Beruf.
Er war mit Leib und Seele Soldat und Berufsoffizier.
Was ihm manchmal etwas Lächeln der anderen bescherte, war
sein Glaube, er war bekennender Christ.
Schon als Kind besuchte er den Kindergottesdienst und erinnerte
sich gerne an seine Konfirmandenzeit.
Wie er denn zum Militär gekommen sei? wurde er oft gefragt.
Nun, dann erzählte Schmidt gerne die Geschichte vom Hauptmann
von Kapernaum, aus dem Neuen Testament.
So einer wollte er auch werden, der wurde sein Vorbild.
Und bis zum Hauptmann zu kommen, dafür hatte er eine sehr
harte Ausbildungszeit hinter sich. Geschenkt wird einem hier nichts.
Aber Schmidt war auch Sportlich gut drauf, schon seit seiner
Kindheit spielte er Fußball, besonders als Torwart tat er sich
hervor.
Die Familie, ja, die musste ihn oft entbehren. Glücklicherweise
hatte er eine verständnisvolle Ehefrau, die seiner Karriere
Verständnisvoll zur Seite stand.
Und dann war da noch der Sohn, dem er sich immer wieder
widmete, wenn er konnte.
In seiner Freizeit stand die Familie obenan.
Ja, das Militär nahm ihn voll in Anspruch.
Es ist ein ehrbarer Job, davon war Schmidt überzeugt.
Soldaten sind keine potentiellen Mörder, wie einige Friedens-
Aktivisten behaupteten.
Und Jesus selbst hat sich nie negativ über den Beruf des
Soldaten geäußert.
Soldaten gehören einfach zum Staat, wie die Polizei.
Soldaten sind Teil der weltlichen Obrigkeit.
Und hier herrscht Kameradschaftsgeist.
Einer für alle, alle für einen.
Frieden schaffen, ohne Waffen, das war auch Schmidts Devise.
Wir sind zum Schutz da, Defensive, nicht Offensive wollen wir.
Und was Schmidt besonders auszeichnete, sein „Zug“ war der
einzige, der ohne Murren den sonntäglichen Militärgottesdienst
besuchte.
Ja, Schmidt setzte auf seine Leute.
Er konnte mit Menschen umgehen, verstand etwas von moderner
Pädagogik, die Untergebenen wurden nicht angebrüllt.
In diesen Tagen quälte Schmidt jedoch ein Problem: Einer seiner
Unteroffiziere kränkelte seit Tagen dahin. Die Ärzte konnten bislang
aber nichts feststellen. Heute hatte er sich schon wieder krank
gemeldet, der Berthold. Irgendetwas konnte da doch nicht stimmen.
Schmidt war ratlos, wie die Ärzte.
Halt, da fiel ihm ein, da war ein Mann, ein frommer Mann, der
verstand sich aufs Handauflegen und gesund machen, so hatte
er jedenfalls gehört.
Ja, so etwas gab es noch, das war keine Kurpfuscherei was der Mann
machte, mussten selbst die Ärzte zugeben, obwohl sie immer sehr
argwöhnisch waren.
Gelegentlich kam dieser Mann auch hier in die Kaserne, wenn
er den Militärgeistlichen aufsuchte.
Aber die Geistlichkeit war auch nicht immer gut auf diesen
Joshua zu sprechen, stahl er ihr doch allzu oft die Show.
Ja, unumstritten war dieser Joshua nicht, obwohl bei den
Leuten beliebt.
Besonders Kranke und Arme hingen ihm sehr an.
Aber konnte er, der Hauptmann Schmidt, diesen Mann so
einfach bemühen?
Nein, dazu war er zu bescheiden.
Also überließ er seinen Unteroffizier den Militärärzten.
Am Montagmorgen erreichte Schmidt die Nachricht, dass man
seinen Unteroffizier wohl in eine Spezialklinik verlegen müsse.
Schmidt war geschockt, nein der Berthold, was war nur los mit
Ihm?
Zur selben Zeit verbreitete sich die Nachricht, dass jener fromme
Mann, den man Joshua nannte, in der Gegend war.
Seine Heilkünste waren überall gefragt und bekannt.
Aber Schmidt selbst traute sich nicht, zu Joshua zu gehen.
Er sagte sich: wer bin ich, diesen Mann wegen eines Unteroffiziers
zu bemühen?
Doch dann überwand sich Hauptmann Schmidt und fuhr selbst
in den Ort, dem berühmten Mann zu begegnen.
Schmidt hatte Glück, dieser Joshua stand auf dem Marktplatz
und diskutierte mit einigen Leuten.
Behutsam langsam, ging Schmidt auf Joshua zu.
Was kann ich für dich tun mein Freund? So wurde Schmidt von
Joshua angesprochen. Schmidt erschrak zunächst.
Dann sagte er: Herr, ich habe einen Offizier, den ich sehr liebe
und schätze, er ist sehr krank, die Ärzte selbst sind ratlos.
Ich werde kommen und ihn gesund machen, versprach Joshua.
Nein Herr, entsetzte sich Schmidt, ich, wir, sind es nicht wert,
sie zu uns zu bemühen. Sagen sie nur ein Wort, ein Wort der
Heilung, dann wird mein Offizier gesund werden.
Joshua war erstaunt.
Wenn ich Befehle gebe, sagte Schmidt, werden sie von meinen
Untergebenen sofort ausgeführt.
Und ihr Wort, sagte Schmidt, hat weitaus mehr Kraft als meines.
Joshua wandte sich an die Umstehenden und sagte: habt ihr das
gehört? Solches Vertrauen, solchen Glauben, das habe ich lange
nicht erlebt.
Wenn doch alle dieses Gottvertrauen hätten!
Joshua wandte sich Hauptmann Schmidt zu und sagte: Gehe
zurück in deine Kaserne, dein Offizier wird gesund sein.
Schmidt umarmte Joshua, bedankte sich mehrfach und sah zu,
das er schnellstens in die Kaserne kam.
Er hatte nicht die geringsten Zweifel an Joshuas Wort.
Als er in der Kaserne ankam, wurde ihm schon die Nachricht
überbracht, das es seinem Unteroffizier plötzlich sehr gut gehe.
Die Ärzte standen vor einem Rätsel.
Schmidt machte sich schnellen Schrittes zu seinem Unteroffizier
und siehe, er saß mit Kameraden scherzend an einem Tisch.
Sein Offizier erhob sich, grüßte vorschriftsmäßig und sagte zu
Schmidt: Vor etwa einer halben Stunde ging es wie ein Ruck
durch meinen Körper, so als hätte jemand die Krankheit
ausgerissen.
Schonen sie sich aber trotzdem noch etwas, Kamerad, sagte
Schmidt.
Danke, Herr Hauptmann.
Schmidt verspürte das dringende Bedürfnis, kurz in die
Militärkapelle zu gehen um zu beten.
So verabschiedete er sich eilends von seinen Leuten und ging.




Wolfgang Müller







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