Goldschnitt und Tattoos
- Buch von Joachim Kretschmann -





Goldschnitt und Tattoos (2)



Liebe Verwandte, Freunde und Mitbeter!

Was habt ihr alle in den letzten Monaten so alles ´´mit mir`` erlebt… Ich denke, es war manchmal ein echter Alptraum, vor allem für die allernächsten Verwandten und meine eigene Familie im Besonderen! Und schließlich kam es ja soweit, dass mir mehr als einmal die Einweisung zum Zwangsentzug drohte mit anschließender 16-wöchiger Entziehungskur… und dies als ehemaliger Prediger, Kindergottesdienstonkel und Stammwart unserer früheren Pfadigruppe!
Wenn es eines gab, auf das man sich verlassen konnte, so auf meine Unzuverlässigkeit, meinen Egoismus und vor allem darauf, dass ich auf jeden Fall garantiert wieder Stock betrunken daher kommen würde… und kein Ende in Sicht!
Aber da gibt es ja ´´professionelle Spezialisten`` in der Suchtberatung und der Suchtklinik, die werden es schon richten… Und genau da begann in mir ein lauter finaler Aufschrei! Was hatte ich denn all die Jahre über gepredigt? ´´Gott ist größer…``, …und wo war er denn nun, mein Gott?
Ich hatte mich schon all zu lange ´´ausgeruht`` auf den ach so tiefen Verletzungen in meiner Kindheit, den Misshandlungen durch die katholischen Schwestern im Kinderheim, etc., etc., etc. und hatte es zugelassen, dass der Teufel durch meine Egozentrik mein Leben mehr und mehr hatte bestimmen können.
Doch Gott macht keine Fehler, und so schrie ich nach meinem letzten Besäufnis und der darauf folgenden Eskapade nachts zu Ihm, als ginge es um mein Leben: ´´Herr, jetzt oder nie…!``
Und plötzlich machte es einen enormen Ruck in meiner Seele und noch viel tiefer in mir, und ich wusste, das war es, endgültig…und schlief zum ersten Mal seid langer Zeit wieder ruhig ein, bis mir meine Frau Heidi am nächsten Morgen sagte, dass Hans-Hubert mich ja gleich abholen und in die Klinik zum Entgiften bringen würde.
In mir schrie es nur ein deutliches ´´Halt!``
Und da stehst du nun, jegliches Vertrauen der anderen in deine eigene Person für immer vertan, und du weißt auch, dass sie menschlich gesehen keine andere Möglichkeit mehr haben, als diesen menschlichen Weg zu gehen… und du weißt, dass du nur Unverständnis und den Vorwurf der Undankbarkeit ernten wirst, wenn du es wagst, nicht zu gehen. Und doch sagte ich ab!
Der Tag dann an sich war körperlich die Hölle. Schwitzen, Zittern…und kein Alkohol mehr als Lebenselixier, um wieder ruhig zu werden…und gleichzeitig irgendwie so etwas wie Licht am Ende des Tunnels.
Nach ca. zwei Tagen dann war alles vorbei. Selten habe ich das Bibellesen so genossen wie seither! Ich wusste, das war´s tatsächlich, nur fehlte irgendwie noch etwas…ich war halt in mir alleine ohne Rückhalt von irgendeiner Seite! Alle wollten mich in die Klinik stecken, klar um mir zu helfen, aber wer würde mich nun auf meinem ´´Weg des Glaubens`` allem zum trotz noch nach all den Enttäuschungen ernst nehmen, mir vertrauen und mich begleiten? Zu viel Schaden hatte ich angerichtet, zu viele verletzt und vor den Kopf gestoßen! Die gesamte Verwandtschaft hatte ich schon in diesen Strudel mit hinein gerissen!
Und dann all der Terror und Spott täglich mehrmals am Telefon von einer ganz bestimmten Seite: ´´Du bist und bleibst ein Säufer, das wird sich nie ändern! Nehm´ Rücksicht auf deine Familie und geh in die Klinik…`` - Namen nenne ich hier lieber nicht. Aber dennoch wusste ich absolut sicher, dass Gottes Verheißung mir galt und ich gerade dabei war, totale Befreiung zu erfahren. Doch wie schon gesagt, irgend etwas stimmte nicht. Was wollte der Herr mir sagen?

Und schon am nächsten Tag kam es:

Psalm 81, 12: ´´…und Israel will mich nicht! ``

Das saß! Und nur wenige Minuten später kam Heidi herein und sagte, Gott hätte ihr gezeigt was mein Hauptproblem sei, nicht meine ach so schwere Kindheit und verkorkste Jugend mit Alkohol und Drogen, sondern dass ich eigentlich nicht wirklich Gott ganz und gar haben will!
Wisst ihr, man kann sich Jahre lang hinter frommen Aktivitäten verstecken, auch wenn sie total ehrlich gemeint waren (schließlich tut man sich all die Arbeit z.B. als Stammwart ja nicht einfach so zum Jux an oder steht über ein Jahrzehnt auf der Kanzel), und dennoch kann man in letzter Konsequenz die totale Gemeinschaft mit dem Herrn verweigern. Doch wenn wir uns Ihm nicht total ausliefern und bereit sind, den vollen Preis der Jüngerschaft zu seinen Bedingungen zu zahlen, so nimmt sich der Feind ungefragt das, was eigentlich Gott allein zusteht – dein Herz!
Doch ich war mein Leben lang der teuflischen Lüge aufgesessen, dass ich den Schlüssel zu meinem Herzen ja verloren hätte und ja so arm dran wäre, ich könne Ihm nicht mehr begegnen – und nun diese Aussage vom Herrn durch Heidi und zuvor durch sein heiliges Wort. Das saß!
Doch was war zu tun? Ich mit meinem Unvermögen noch irgendwie etwas für oder gar von Gott her empfinden zu können, durch das Gift der inneren Rebellion und des Alkohols etc. regelrecht imprägniert gegen seine Liebe – tatsächlich? Wirklich? Oder war dies auch nur wieder eine Lüge des Teufels?
Als Prediger wusste ich natürlich, dass der Herr keine Privilegierten hat und somit eben nicht alle anderen zwangsläufig unfähig sein müssen, Ihn ebenso zu erfahren, um heil zu werden…also musste es einen Weg geben!
Und der tat sich mir letzten Sonntag auf. Beim Aufwachen spürte ich Seine Frage an mich, die mir nicht gerade bequem daher kam: ´´Wärst du bereit auch vor der ganzen Gemeinde, all den vielen Hundert Leuten, deine Schuld zuzugeben und sie zu bitten, für dich zu beten?``
Während des Frühstücks, als ich gerade die Verse las aus Joh. 8, 32: ´´Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!`` und weiter in Jak. 4, 6: ´´…aber dem demütigen gibt er Gnade!``…kam wieder die gleiche Frage in meinem Herzen hoch wie schon beim Aufstehen.
Der Gottesdienst begann mit viel Lobpreis, wobei ich ein inneres Weinen verspürte und wusste, dass dies meine Stunde sein würde… und dann die Predigt ganz passend über Angst, Gebundenheiten und Abhängigkeiten… und der Aufruf am Schluss, nach vorne zu kommen. Stets kamen immer sehr viele, doch diesmal kein einziger, das hatte es noch nie gegeben. Und plötzlich ein ganz warmes Gefühl im Bauch und auf dem Rücken, was mir ganz ungewohnt war, und ich wusste, ich sollte nach vorne gehen und mit mir beten lassen. Und so ging ich, und Richard, der Älteste, der zuvor gepredigt hatte, kam zu mir und wollte noch kurz das Mikro bei Seite legen, als er umdrehte, kurz zögerte, mich anschaute und zu mir zurück kam und mir sagte, er solle mich von Gott her fragen, ob ich bereit sei, vor allen zu erzählen, was ich eigentlich ihm erzählen wollte… ´´Ja..``, sagte ich, ´´ich habe es ja Gott schon heute früh versprochen .`` Und so bekannte ich vor den ca. 400 Versammelten mit Mikro in der zitternden Hand alles, was ich getan hatte und auch was mich bedrückte …ich wüsste, dass ich frei sei und wollte ich sie bitten, mich sozusagen mit der Furcht Gottes zu versiegeln (mir fällt gerade kein besserer Ausdruck ein….). Darauf hin bete die gesamte Gemeinde voller Power zum Herrn, und einige Älteste umringten mich und bestätigten Gottes Vergebung über meinem Leben und die totale Freisetzung von nun an.
Am Schluss kamen viele zu mir, um mich in den Arm zu nehmen und versprachen, dass ich nun auf ihrer Gebetsliste stehen würde!
Auch kam Alex, der Leiter der Powergebetsgruppe, die gerade im Punkto Freisetzung, Heilung und Wiederherstellung ihre Aufgaben als Gebetsteam sehen und in der letzten Zeit mehreren Heroinabhängigen zur Freiheit und sogar körperlichen Heilung durch den Herrn Jesus und seine Kraft verholfen hatten unter Handauflegung und persönliche Begleitung, sei es Tag oder Nacht, zur Zeit oder Unzeit (einer bekam - ärztlich bestätigt - eine total neue Leber von Gott geschenkt – seine ´´alte`` war zu 99% vom Krebs wegen Heroin zerstört, und er war zum Sterben nach Hause geschickt worden – vor kurzem erst ist er Vater geworden!). Alex lud mich ein, am kommenden Dienstag zum Gebet zu kommen.
Was ich da erleben durfte überstieg alles, was ich bisher unter ´´Gebetsgemeinschaft`` erlebt hatte – so viel Liebe, so viel Verständnis und dass sich alle so enorm viel Zeit nur wegen mir genommen hatten, um für mich zu beten und mir Wegweisung zu geben.
Daheim zuvor hatte ich dem Herrn ´´erlaubt`` mir alles, auch wirklich alles zu sagen durch diese lieben Geschwister. Und dies tat er tatsächlich auf ganz erstaunliche Weise. Alex bat mich anfangs, aus meinem Leben zu erzählen, doch Onkel Otto, wie ihn alle nennen, ein wahrer Gebetskämpfer im Herrn, fragte mich, ob wir nicht zuerst den Herrn suchen wollten, damit er uns / ihnen zeigen könnte, was wirklich in mir wäre und wie mir in Punkto Aufarbeitung und Reinigung wirklich zu helfen wäre. Ich könnte Stunden lang erzählen und doch wieder im Kreise herum am Ziel vorbei gehen. Was Gott über mich zu sagen hätte und wie er mich sähe, das sei es was zählen würde! Und ich würde dann ja erkennen, ob es wirklich stimmt… zum Austausch sei noch genügend Zeit!
Und so beteten wir, wie der Geist uns leitete. Und dann wurde es ruhig und die Geschwister schilderten mir ihre Eindrücke, d.h. was der Herr ihnen gezeigt hatte. Ihr glaubt ja gar nicht, was ich da zu hören bekam – ich muss betonen, dass keiner von ihnen je etwas über mein Leben oder meine inneren Erfahrungen erfahren hatte – sie kannten nur mein sonntägliches Schuldbekenntnis!
Kurz um, sie zusammen hätten anhand ihrer Eindrücke, Bilder und Bibelworte mühelos meine ganze Biographie schreiben können!
Und was noch besser ist, ich bekam Offenbarung darüber, was die eigentlichen Ursachen sowohl meiner vorherigen Alkoholsucht waren als auch dafür, warum ich oft so jähzornig und gefühlsmäßig unbeherrscht bin. Durch Bilder, Eindrücke und Bibelworte holten wir das innerste zu oberst und brachten es vor den Herrn zur Reinigung, Vergebung und Freisetzung. Alles, was mir an Belastungen und vor allem auch an bekannten und verborgenen Sünden in den Sinn kam, bekannte ich vor allen und erfuhr totale Annahme und Freisetzung.
Zwar bin ich noch immer nicht so in der Lage, Gott zu erleben wie ich es gerne möchte, doch sie trösteten mich und sagte mir zu, dass der Herr dies gar nicht von mir erwarten würde, er kennt mein innerstes Wesen und meine Beschränkungen, und wenn ich meine ´´Hausaufgaben`` machen würde, d.h. Bibellesen und viel Zeit im Gebet allen Gefühlen zum Trotz – so würde der Herr auch seine Zusagen halten und sich mir auf noch nie gekannte Weise offenbaren! Wenn ich mein Versprechen halte, so würde ich je länger je mehr seine Treu erleben in allen Dingen meines / unseres Lebens auch als Familie.
Und schließlich gab mir Onkel Otto eine Prophetie, die der Herr ihm aufs Herz gelegt hatte: ´´So wie du bisher eine Belastung (Fluch) für deine Familie gewesen bist, so wirst du nun bald ein Segen sein! Höre von nun an nicht auf das, was Leute zu dir sagen, die zwar gläubig sind aber in letzter Konsequenz nur menschlich denken und handeln und Seine Allmacht dadurch verleugnen und endgültige Heilung und zukünftige Wunder verhindern, sonder konzentriere dich ganz allein auf die Heilige Schrift und auf das, wohin dann der heilige Geist dich und deine Familie treibt. Viele werden bald den Kopf über dich schütteln und dich belächeln, doch tue du genau das, was der Herr dir zeigt und was er durch andere Geschwister bestätigt, so wird Er selbst ab sofort alle deine Belange und Nöte in seine Hand nehmen. Nicht mehr länger wirst du krampfhaft marschieren und stolpern, sondern der Herr wird dich aufnehmen und dich dahin führen, wo dein Dienst ist und dies schon sehr bald. Und du wirst viele, die so sind wie du warst, in das Haus Gottes führen! Und vergiss eines ab sofort niemals: Niemand darf dich mehr Säufer nennen, denn deine Sünden und Gebundenheiten hat Er selbst durch seinen Tod am Kreuz in das Meer geworfen wo es am tiefsten ist! ``


Ihr mögt mich nun vielleicht für einen frommen und überdrehten Spinner halten, der nach dem letzten Strohhalm greift, doch ihr ward weder in meiner Lage als Süchtiger, als ein die anderen verletzender (d.h. du stehst neben dir selbst und weißt genau was du gerade anderen antust und kannst es doch nicht mehr stoppen) und ein hoffnungsloser, und ihr habt nicht erlebt, was ich besonders in den letzten Tagen erfahren durfte durch all Seine Barmherzigkeit und Gnade. Ja und ich weiß ganz sicher:

1. Es gibt einen lebendigen Gott
2. Er redet noch heute
3. Es ist nicht nur lohnenswert in die Gemeinde zu gehen, sondern sogar überlebenswichtig
4. Es lohnt sich nach all den Enttäuschungen mit anderen Christen und Leitenden Persönlichkeiten von christlichen Gemeinden mit verblendeten Betonherzen eben doch, sich auch auf Menschen zu verlassen
5. Jeder Tag außerhalb dieser Wahrheit ist ein verlorener Tag ohne Segen und vor allem ohne Frucht, die wir doch alle dem Herrn schuldig sind und die er schon vorbereitet hat zum Segen anderer und zu unserem besten

Ab nächste Woche werde ich wieder mit neuem Elan zur Arbeit gehen, ganz ohne Angst, ich könnte wieder rückfällig werden, denn Er hat es versprochen – und hat noch niemals sein Wort gebrochen!

1.Mose 12, 2: ``Ich will dich segnen,…und du sollst ein Segen sein!``

In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich zum einen bei euch allen entschuldigen, sofern ich dies noch nicht getan habe und euch gleichzeitig einladen, einmal bei uns zum Gottesdienst vorbei zu schauen.

Vielen Dank für euer Verständnis, eure Geduld und eure Gebete,


Joachim



Joachim Kretschmann

Fortsetzung:
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