Die kleine Stadt am Berg
- und der Architekt des Lebens -





Die kleine Stadt am Berg




Es war einmal eine Kleinstadt. Sie lag am Rande eines großen Berges.
Die Stadt gab es noch nicht sehr lange. Der Gründer der Stadt lebte ein wenig abgelegen in einem alten Bauernhaus, das er vor vielen Jahren selbst gebaut hatte.
Viele Bewohner der Stadt kannten den alten Mann nur noch aus Erzählungen ihrer Großeltern. Einige sagten, dass er sehr weise sein musste, andere waren sich nicht sicher, ob er überhaupt noch am Leben sei.
Einige ältere Menschen waren mit Ehrfurcht erfüllt, wenn sie über ihn sprachen und sie bezeichneten ihn als „den großen Architekten“.
 
Die wenigsten aber waren ihm persönlich begegnet. Das lag nicht daran, dass der alte Mann sein Haus verriegelte. Im Gegenteil, er war sehr gastfreundlich.
Immer wieder klingelten Witwen oder Menschen ohne Arbeit bei ihm. Er hatte stets ein Ohr für sie und nicht selten stellte er sei Gästezimmer zur Verfügung.
 
Die Menschen in der Stadt waren zu geschäftig. Sie kauften, verkauften, arbeiteten, feierten und hatten wichtigeres zu tun als sich auf die Suche nach dem alten Architekten zu machen.
In der Stadt gab es eine alte Bibliothek. Im hintersten Regal stand ein Buch, das der alte Architekt vor vielen Jahren geschrieben hatte. Er beschrieb darin die Beschaffenheit des Bodens, auf den die Stadt gebaut war. Das Buch enthielt Baupläne für Häuser.
 
Der alte Mann hatte Jahre dazu verwendet, die günstigste Bauweise für die Häuser zu berechnen und zu konstruieren.
Er wusste, dass die Gegend etwa alle 50 Jahre von Erdbeben erschüttert wird und so zeichnete er Baupläne für Häuser, die diesen Erschütterungen standhalten würden.
 
Jeder in der Stadt  hatte von diesem Buch gehört, aber die Leute kümmerten sich nicht weiter darum. „Erdbeben wird es hier sicher nicht mehr geben. Und wenn, wird es schon nicht so schlimm werden. Mein Haus steht fest.“
So sagten sie und bauten ihre Häuser nach ihren eigenen Vorstellungen.
Es gab nur wenige, die ihre Häuser nach den Plänen im alten Buch bauten. Sie wurden von den übrigen Stadtbewohnern meist nur spöttisch belächelt.
 
Eines Tages begann die Erde zu beben. Erst klirrte das Geschirr in den Schränken. Nach wenigen Minuten fielen die Bilder von den Wänden. Die Menschen waren zu stolz um ihre Häuser zu verlassen. Sie waren doch fest davon überzeugt, dass ihre Häuser jeder Erschütterung standhalten würden.
Nach nur wenigen Stunden lag die Stadt in Trümmern. Die Bewohner der Stadt waren lebend begraben.
 
Nur wenige Häuser standen noch. Das war einmal das Bauernhaus des alten Architekten und die wenigen Häuser, die nach dessen Plänen gebaut wurden.
Während des Erdbebens saß der alte Architekt gerade in seinem Schaukelstuhl. Als die Erde begann zu beben, füllten sich seine Augen mit Tränen. Er wusste um die Menschen in der Stadt, aber er konnte ihnen nicht mehr helfen.
Die Hilfe, die er ihnen vor Jahren in der Bibliothek hinterlassen hatte – das alte Buch – hatten die meisten nie ernst genommen oder gelesen.
 
Er sah in die Augen von zwei Waisenkindern, die in seinem Gästezimmer übernachtet hatten und sagte väterlich und voller Barmherzigkeit:
„Kinder, sucht nach dem wirklich Wichtigen im Leben. Ihr werdet den Reichtum entdecken, der vielen verschlossen bleibt, weil sie nicht auf das Wesentliche sehen.“
Die Kinder nickten voller Ehrfurcht und wussten, dass sie diesen Satz wie eine Schatzkarte bewahren mussten, die ihnen den Weg zum Reichtum ihres Lebens zeigen würde.“


Annika Lampmann





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