Amazon Boykott?
- Texte aus Politik&Soziales-





Amazon Boykott?




In einer auf ARD ausgestrahlten Reportage wurden ja kürzlich die Arbeitsbedingungen beim weltweit größten Versandhändler Amazon unter die Lupe genommen. Es ging insbesondere um die Situation der Leiharbeiter, die in Q4 (viertes Quartal, also speziell für das Weihnachtsgeschäft) in den Versandzentren gearbeitet haben. Die Folge war, dass mittlerweile, z.B. über Facebook, zum Amazon-Boykott aufgerufen wird.

Da ich selbst bis vor kurzem bei Amazon gearbeitet habe (und aus freien Stücken wegen Familiengründung nicht mehr dort tätig bin), lag mir daran, etwas zu den genannten Vorwürfen zu sagen. Zunächst muss man wissen, dass solche Reportagen nicht direkt von der ARD produziert werden, sondern dass es sich um externe Auftragsproduzenten oder freie Medienagenturen handelt, die ihre Produkte den Fernsehanstalten anbieten. Damit die Reportagen Absatz finden, werden Inhalte oft skandalisiert dargestellt. Es wird ein Schwarz/Weiss Bild gezeichnet, da sind die Guten und dort die Bösen, zwischendrin gibt es nichts. Diesen Eindruck hatte ich bei der Amazon-Reportage auch. Die Aufnahmen wurden vorwiegend in einem dunklen, düsteren Ambiente gemacht, was sicherlich auch am Winterwetter lag, welches zu dieser Zeit herrschte.

Jedenfalls wurde auf diese Weise schon von vornherein ein sehr düsteres Bild vermittelt und ich hatte den Eindruck, dass die Reporter dieses Bild ganz bewusst zeichnen wollten.
In der Reportage ging es ja um Leiharbeiter z.B. aus Spanien, die rekrutiert und dann nach Deutschland gebracht wurden, wo sie in - im Winter ungenutzten - Ferienanlagen wohnten und jeden morgen per Bus zu ihrem Arbeitsplatz im Versandlager gefahren wurden. Negativ wurde z.B. der Stundenlohn in Höhe von 8,50 Euro genannt. Das ist zugegebenermaßen nicht viel, aber jeder, der schonmal in der Zeitarbeit beschäftig war, weiß, dass dieser Stundenlohn absolut in Ordnung geht. Fest bei Amazon angestellte Mitarbeiter in diesem Bereich erhalten nicht viel mehr. Und es gibt Berufsgruppen, in denen generell weit weniger verdient wird. Fragen Sie mal eine Friseurin oder eine Bäckerei-Verkäuferin in den neuen Ländern nach deren Stundenlohn. Oft werden Sie Zahlen im Bereich zwischen 5-7 Euro hören.

Was sicherlich in jedem Fall aufgeklärt werden sollte, ist das Verhalten der Sicherheitsdienstmitarbeiter, die in der Reportage gezeigt wurden. Wenn es wirklich stimmt, dass Rechtsradikale dort das Sagen haben, dann wäre das wirklich ein Skandal und Amazon sollte sich von diesem Unternehmen trennen.

Ich weiß selbst, dass Amazon sich bemüht für alle Mitarbeiter einen guten Arbeitsplatz zu schaffen, wörtlich ist dies ein offizielles Unternehmensziel bei Amazon: "A great place to work". Und laufend verbessern sich auch Dinge, die mit dem Arbeitsplatz zu tun haben. Und Amazon ist definitiv ein überaus tolerantes Unternehmen, in dem Rassismus überhaupt keinen Platz hat. Ich habe selbst mit Kollegen aus den verschiedensten Kulturen zusammen gearbeitet. Das ist eine echte Bereicherung und Amazon fördert sowas. Dass ein solcher Sicherheitsdienst beschäftigt wurde, dann war das mit Sicherheit keine Absicht. Nun, Unkenntnis schützt vor Strafe nicht, sagt man. Und ich bin auch davon überzeugt, dass Amazon diesen Missstand abschaffen wird. Grundsätzlich ist Amazon aber ein guter Arbeitgeber und das sage ich aus Überzeugung und ich bekomme auch kein Geld für diese Aussage. Die Reportage hat sicherlich manches aufgedeckt, was Amazon besser machen kann. Aber unter dem Strich war mein Eindruck, dass die Gegebenheiten sehr verzerrt dargestellt wurden. Ich würde wieder bei Amazon anfangen und wenn die Kinder älter sind, werde ich es vielleicht auch wieder tun.


Ulrike Müller








Startseite: www.christliche-autoren.de
Übersicht gesellschaftspolitische Texte: Politik und Gesellschaft
Übersicht Liebesgedichte: Liebesgedichte


In christliche-autoren.de suchen:

www.christliche-autoren.de - Ein evangelistisches Projekt gläubiger Christen.
In Kooperation mit christliche Texte & Bibelleser & Liebesgedicht